Wenn die Vergangenheit näher ist als die Gegenwart – Bericht zum Vortrag Demenz

Theoretisch wussten wir schon eine Menge was Demenz, Parkinson oder die eingeschränkte Alterskompetenz zu bedeuten haben. Die Oberärztin Frau Stefanie Oberfeld, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie am Clemens-Wallrath-Haus in Münster, hatte uns im September bereits in einem kompetenten und verständlichen Vortrag in das weite Feld der Entstehung und Behandlung der Demenz in seinen vielfältigen Facetten eingeführt.

Was kann ich machen, wenn dieses Krankheitsbild in unmittelbarer Nähe zu uns diagnostiziert wird?

Diese Frage wurde immer wieder in den wöchentlichen Gruppenstunden oder auf anderer Ebene gestellt. So kamen wir zu dem Entschluss, noch einmal einen Vortrag zu diesem Thema zu veranstalten. In Frau Sabine Holthaus, einer  Weggefährtin aus Rheine, konnten wir eine engagierte, fachkundige Expertin für diesen Abend gewinnen. Sie kann auf 30-jährige Erfahrung in diesem Bereich zugreifen und stand uns heute in allen dieses Thema betreffenden Fragen kompetent zur Seite. Ca. 50 Personen, nicht nur Kreuzbundmitglieder,  waren gespannt auf ihre Ausführungen.

Nicht nur der Patient, so ihre eindringliche Botschaft, sondern auch die Angehörigen benötigen Hilfe.

Und diese Hilfe steht in vielfältiger Form zur Verfügung. Erster Ansprechpartner sollte in der Regel der Hausarzt sein. Er kennt den Patienten und seine Krankenakte. Hilfe holen kann man bei den Sozialverbänden, bei den Kranken- und Pflegekassen und bei den Palliativnetzen. Aber jeder muss eigene Initiativen ergreifen. Nicht nur die „alten Leute“ können erkranken. Es wurde schon bei 50-jährigen beginnende Demenz diagnostiziert.

Erste Vergesslichkeiten, wo hab ich das wieder hingelegt, oder wie hieß der noch mal sind noch kein Grund in Panik zu verfallen. Wenn den eigenen Angehörigen oder guten Bekannten Symptome in diese Richtung auffallen, dann sollte man vorsichtig das Gespräch suchen um geeignete Maßnahmen ergreifen zu können.

Es steht Hilfe zur Verfügung und es stehen Gelder zur Verfügung. Um sich frühzeitig auf derartige Notlagen einstellen zu können sind frühzeitige Dispositionen unabdingbar. In der Familie sollte die weitere Vorgehensweise abgeklärt sein. Einer allein kann die Pflege und intensive Betreuung nicht leisten. Immer wichtiger in der Zukunft wird die Frage sein: was will ich wenn ich einmal in eine solche Notlage komme, bzw. was will der Patient in dieser Situation?

Jeder von uns, gleich welchen Alters kann in eine solche Notsituation kommen.

Deshalb ist es äußerst wichtig, frühzeitig die richtigen Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen. Bei jeder Einweisung in ein Krankenhaus wird nach der Patientenverfügung gefragt. Hier bestimme ich, was medizinisch unternommen werden soll, wenn ich entscheidungsunfähig bin. Dadurch nehme ich Einfluss auf eine spätere ärztliche Behandlung und wahre damit mein Selbstbestimmungsrecht, auch wenn ich zum Zeitpunkt der Behandlung nicht mehr ansprechbar und nicht mehr einwilligungsfähig bin. Ebenso wichtig für die Zukunft werden Vorsorge- und Betreuungsvollmacht. Wertvolle Hilfen für das Erstellen von Patientenverfügung sowie Betreuungs- und Vorsorgevollmacht gibt das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz unter www.bmjv.de . Hier können auch Broschüren kostenlos bestellt werden.

Demenz. Es gibt etwa 35 verschiedene Formen dieser Erkrankung. Und es gilt, die Angst davor zu überwinden.

Wir sind unmittelbar dabei, wenn immer mehr Alltagskompetenzen verloren gehen. Die Motorik leidet, die Sprache kann sich verändern, der Alltag ist nicht mehr beherrschbar, aggressive Schübe können auftreten. Wir erleben einen Menschen, den wir so nicht gekannt haben. Es muss uns klar sein, heilbar ist diese Krankheit nicht. Aber wir können dabei sein, dem Kranken ein würdevolles Leben zu ermöglichen. Zuhören, langsam nachfragen, keine Vorwürfe machen können Möglichkeiten sein. Einen strukturierten Alltag bieten, auf die präzise Medikamenteneinnahme achten, eine ruhige Atmosphäre schaffen und alte Bekannte einbeziehen.

Erlaubt mir eine persönliche Anmerkung. Meine Mutter lebt mittlerweile in einer Welt, die lange zurückliegt. Man kann sich gut mit ihr unterhalten, meistens. Große Freude bereiten ihr der Besuch des Gottesdienstes und das Rosenkranz Beten. Oder ich stehe mit ihr vor einer Marienstatue und sie rezitiert Mariengebete da, Verzeihung glühen mir die Ohren. Ich schau sie an und sehe: sie ist mit sich im Reinen. Und dann 5 Minuten später bin ich wieder der ungezogene Lauselümmel, dem man die Ohren lang ziehen müsste.

Wir haben uns Hilfe geholt. Und das ist gut so.

 

Bericht geschrieben von Werner Terbrack

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