Das war die Rauhnacht 2018

Nach der überwältigenden positiven Erfahrung des Vorjahres, haben wir auch 2018 wieder eine außerordentliche Gruppenstunde zwischen den Jahren angeboten. In dieser heiklen Zeit zwischen Feiertagen, Glühwein, sentimentalen Jahresrückblicken und familiären Spannungen ist es enorm wichtig, dass Betroffene und Angehörige einen Anlaufpunkt und Gesprächsmöglichkeiten unter Gleichgesinnten haben. Auch der ein oder andere Gruppenneuling findet bei diesem Termin den Weg in unsere Gemeinschaft.
So läd schließlich der Jahreswechsel dazu ein, seine alten Gewohnheiten und (Trink-)Muster zu überdenken und sich Neuem zu öffnen.

Zu Gast war auch ein Redakteur der Westfälischen Nachrichten. Und so war in der Zeitung folgender Bericht zu lesen:

Verschwiegenheit ist höchstes Gebot

„Ja, ich bin trockener Alkoholiker. Ja, ich trinke keinerlei Alkohol, auch kein „Sektchen“ oder „Bierchen“. Nein, auch an Silvester nicht. Ja, ich habe noch sehr viel Spaß am Leben. Nein, alkoholfreies Bier geht auch nicht, auch kein Alkohol im Essen . . .“ Alkoholkranke müssen sich oft erklären und stoßen trotz gut gemeinter Absichten des Gegenübers nicht selten auch auf Unverständnis. Davon können die Aktiven des Kreuzbunds so einiges erzählen. In ihrer Gemeinschaft treffen sich regelmäßig Alkoholkranke und Angehörige, um sich auszutauschen, um Probleme zu besprechen, um das Gefühl zu haben, nicht alleine zu sein. Auch an Festtagen ist das wichtig.

Alle vier aktiven Gruppen in Münster kamen zum Jahresende im St.-Pantaleon Pfarrzentrum zusammen. Das wichtigste Thema diesmal: Wie ist es Weihnachten gelaufen? Gab es Versuchungen, gab es Rückfälle „Weihnachten sitzt die Familie zusammen, da hat man sich im Auge“, sagte Dieter Babetzky, der die Ortsgruppe Roxel des Kreuzbunds leitet, aber auch gleichzeitig Vorsitzender des Stadtverbands ist.

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Oft fällt eine Alkoholabhängigkeit an Feiertagen ganz besonders auf. Auch weil es dann viele Gelegenheiten zum Trinken gibt. „Wie verhalte ich mich bei Weihnachtsfeiern? Das könnte heute Thema sein“, meinte Babetzky. Aber, ganz wichtig: „Was in der Gruppe gesagt wird, bleibt in der Gruppe.“ Verschwiegenheit ist das höchste Gebot beim Kreuzbund, das ist Voraussetzung dafür, dass die Teilnehmer wirklich offen reden können.

Sich einzugestehen, dass man ein Problem hat, ist für Betroffene unerlässlich. Oftmals haben sie jahrelang ihre Sucht verborgen und zugleich kaum einen anderen Gedanken gehabt als den an Alkohol. „Es kommt zu einem Kontrollverlust“, erklärt Babetzky. Wenn man sich vornehme, nur zwei Bier zu trinken und dann nicht mehr aufhören könne. Das sei ein Zeichen für eine Alkoholkrankheit. Die sehr verbreitet sei: „In Deutschland gibt es 1,5 Millionen Menschen, die behandlungsbedürftig sind“, sagt der Kreuzbund-Vorsitzende.

Der typische Weg zur Abstinenz führt idealerweise zur Suchtberatung, dann in die stationäre Therapie und schließlich in eine Selbsthilfegruppe wie den Kreuzbund. „Unsere Teilnehmer sind zwischen 34 bis 83 Jahre alt“, so der Leiter des Kreuzbunds Roxel. „Sie alle haben ein Ziel: Sie wollen ihr Leben zukünftig ohne ein Suchtmittel gestalten, das ihr Leben einschränkt.“

Jeden Montag trifft die Roxeler Gruppe sich um 19.30 Uhr im St.-Pantaleon-Pfarrzentrum. Mit Neu-Teilnehmern setze man sich zuvor in kleiner Runde zusammen, um deren Erwartungen in aller Ruhe zu erörtern, verspricht Dieter Babetzky.

 

Quelle: Westfälische Nachrichten, erschienen am 31.12.2018 Autor: Siegmund Natschke