Depressionskongress 2019

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Volkskrankheit Depression – den Betroffenen eine Stimme geben

In unseren Selbsthilfegruppen bestätigt sich immer wieder, dass Suchterkrankungen und Depressionen oft Hand in Hand gehen. Alkohol verschlimmert vorhandene Depressionsneigungen und Depressionen lassen Betroffene mitunter verstärkt zu Alkohol greifen, um ihre Symptome vermeintlich zu lindern. Umso wichtiger, dass wir uns auch im Bereich Depressionserkrankungen weiterbilden und dieses Wissen in die Kreuzbundgruppen tragen. Verena hat daher wie bereits vor 2 Jahren, den Patientenkongress Depression besucht und berichtet von ihren Eindrücken:

Eine ausverkaufte Konzerthalle voller depressiver Menschen. Klingt nach einer bedrückenden Veranstaltung? Keineswegs! Bereits zum 5. Mal luden die Stiftung Depressionshilfe und die Deutsche Depressionsliga Betroffene, Angehörige und Interessierte zum zweitägigen Patientenkongress nach Leipzig ein. 1.300 Menschen kamen und wurden von zahlreichen Infoständen, Selbsthilfegruppen und -vereine, Musikern, Rednern, sowie dem Schirmherrn Harald Schmidt erwartet.

Im edlen Gewandhaus zu Leipzig – wo sonst klassische Konzerte und elegante Abendveranstaltungen stattfinden – erwarteten die 1.300 Besucher aus ganz Deutschland interessante Themenvorträge und Podiumsdiskussionen rund um die Krankheit Depression und ihre Behandlung.

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Erwachsene erkranken im Laufe eines Jahres an Depressionen
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der Bevölkerung erkranken im Laufe ihres Lebens mind. 1x an Depressionen
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Infotelefon Depression

Mo, Di, Do: 13:00 – 17:00 Uhr
Mi, Fr: 08:30 – 12:30 Uhr

Eine Depression ist eine ernstzunehmende und schwerwiegende Erkrankung, an der rund 20% der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens erkranken. Je früher eine Depression erkannt wird, desto besser! Denn im schlimmsten Falle können Depressionen tödlich enden, da sie jeden Lebensmut und Hoffnung nehmen. Für Betroffene scheint ein Suizid fatalerweise oft als einziger Ausweg. Ein wichtiger Fokus ist daher stets die Suizidprävention und der möglichst frühe Zugang ins Hilfesystem. Da die Wartezeiten auf Therapieplätze mitunter lange sein können, gibt es Inzwischen sogar einige Onlineprogramme (z.B. iFightDepresson), die teilweise therapeutisch moderiert und begleitet werden.

Wie gut es tut, sich mit und trotz seiner Erkrankung zu zeigen und sich mit Gleichgesinnten auszutauschen, konnte ich während des gesamten Kongresses beobachten. Und dass Depressive eine ganze Menge Rhythmus im Blut haben, zeigte sich eindrucksvoll bei der Musikeinlage von Drum Café. Jeder im Publikum erhielt einen sog. „Boomwhacker“ (eine Plastikröhre in diversen Längen und Durchmessern), mit der nach Anweisung des Initiators Matthias Jackel rhythmisch auf die eigene Hand geklopft werden sollte. Es entstanden gemeinsame Sound-Variationen, die so mitreißend waren, dass es sogar standing ovations gab. Von Depressionen nichts zu spüren!

Harald Schmidt führte mit seinem trockenen und schlagfertigen Humor durch den Veranstaltungstag. Themen waren Vorurteile über Depressionen, Umgang mit Depressionen in einer Paarbeziehung, die positive Wirkung von Musik und Sport auf depressive Menschen, sowie persönliche Erlebnisberichte von Betroffenen.

Den gelungenen Abschluss des ersten Veranstaltungstages lieferte Kabarettist Thorsten Sträter mit einer 45minütigen Kostprobe seines Humors. Er spricht offen über seine eigene Depressionserkrankung und zeigt, dass man über Erkrankungen auch durchaus mal lachen darf.

Tag 2 mit Workshops, Lesungen und Podiumsdiskussion

In der Kongresshalle am Leipziger Zoo fand der zweite Kongresstag statt, der sich interaktiver gestaltete. Über Depressionen auch im Internet und in den Sozialen Medien zu reden, war Thema der Podiumsdiskussion. Betroffene stellten ihre Blogs und Webprojekte vor und machten Mut, sich auch im Web zu äußern, z.B. auf die-mitte-der-nacht.de.

Die Fotografin Nora Klein hat gemeinsam mit Betroffenen einen eindrucksvollen Bildband geschaffen, in dem Depressionen und der Alltag mit der Erkrankung visuell dargestellt werden. 

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der Depressiven hat weitere psychische Erkrankungen
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aller schwer Depressiven unternehmen einen Suizid(versuch)

Mood Suits - Depressionen körperlich erlebbar machen

Wie fühlen sich Depressionen an? Dies einem Nichtbetroffenen zu beschreiben, ist äußerst schwer. Zumal sie nicht nur psychische Aspekte, wie gedrückte Stimmung und Hoffnungslosigkeit beinhaltet, sondern sich auch mit teils heftigen körperlichen Symptomen zeigt. Die sog. Mood Suits machen Depressionen nachvollziehbarer und äußerst anschaulich:

Medienpreis

Mit Spannung erwartet, wurde die Preisverleihung der Stiftung Depressionshilfe. Hierbei werden Projekte, Reportagen, Filme, TV-/Radiosendungen etc. ausgezeichnet, die das Thema Depression in die Öffentlichkeit bringen und auf besondere Art für die Krankheit sensibilisieren. Die diesjährigen Preisträger – darunter zwei erste Plätze – sind:

1. Platz:

„Die Sendung mit der Maus-Spezial: Die unsichtbare Krankheit

Depressionen kindgerecht erklärt.

1. Platz:

 „Phil und das Traurigsein“ 

Ein beeindruckender 11jähriger Junge, der von seiner eigenen Depressionserkrankung und seinem Suizidversuch berichtet.

2. Platz:

Radio-Thementag „Leben mit einem depressiven Partner“

„Ich fühle gerade nichts – auch nicht für dich“, in dem zwei Paare interviewt wurden, was die Depression des Partners mit ihnen macht und wie schwierig – aber möglich (!) – der gemeinsame Weg durch die Krankheit ist

3. Platz:

Zeitungsartikel „Liebe Magdalena…“ 

ein rührender Brief an ihre 7-jährigen Tochter, der die Depressionserkrankung der Mutter zu erklären versucht.

Anders als bei einem gebrochenen Arm beispielsweise kann man eine Depression meist nicht auf eine einzige Ursache oder einen einzigen Auslöser zurückführen.

Wie bei einer Medaille kann man bei jedem depressiv Erkrankten zwei Seiten betrachten: die psychosoziale Seite und die neurobiologische Seite.

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Hauptsymptome:

  • Gedrückte Stimmung
  • Interessen- oder Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel bzw. erhöhte Ermüdbarkeit

Zusatzsymptome:

  • Verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • Negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  • Suizidgedanken/-handlungen
  • Schlafstörungen
  • Verminderter Appetit

Liegen über zwei Wochen oder länger mindestens zwei der dreiHauptsymptome und zusätzlich mindestens zwei Nebensymptome vor, wird die Diagnose Depression gestellt.

In ihrer Hilflosigkeit gegenüber der Depression entwickeln Angehörige oft selbst Schuldgefühle oder gar Ärger über den Erkrankten. Hält die depressive Phase länger an, können sich bei den Angehörigen Überlastung und Erschöpfung einstellen, weil sie dem Betroffenen eine Vielzahl alltäglicher Aufgaben abnehmen müssen. Selbsthilfegruppen für Angehörige können für die betroffenen Familienmitglieder eine wichtige Hilfe sein.

Ratschläge und Tipps