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Autorenlesung mit Ulli Borowka

Am letzten Montag hat nun die „Lesung“ von und mit Ulli Borowka in Münster stattgefunden. „Lesung“ – ja, gelesen hat er auch, aber im Wesentlichen hat Ulli aus seinem Leben erzählt. Offen und ehrlich hat er davon berichtet, was der Alkohol mit ihm und aus ihm gemacht hat.

„16 Jahre war ich Fußballprofi und 16 Jahre war ich auch Alkoholiker“. Eigentlich erstaunlich, dass das so lange gut ging. Aber das gelang nur mit der oftmals unbewussten Hilfe seiner Umgebung. Denn natürlich war der übermäßige Alkoholkonsum nicht zu übersehen, aber wie so oft, wurde darüber weggesehen, vertuscht, entschuldigt. Für die Verantwortlichen war der Spieler das Kapital, solange der funktionierte und Leistung brachte, war sein Verhalten außerhalb des Spielfeldes kein Thema.

 

Diese „Hilfe“ führte aber nur dazu, dass sich die Leidenszeit des Suchtkranken verlängerte und Ulli Borowka schließlich alles verlor, Familie, Arbeit, Vermögen – und fast auch noch sein Leben.

Als er hier von seinem – Gott sei Dank gescheiterten – Selbstmordversuch erzählte, war es mucksmäuschenstill in der Aula der Gesamtschule Münster-Mitte.

Etwa 130 Zuhörer waren gekommen, ein Teil (die Hälfte?) wegen der Geschichte des Suchkranken, der andere Teil nur wegen des Fußballspielers. Wahrscheinlich gibt es da aber auch eine Schnittmenge: Menschen, die schon gemerkt haben, dass ihr Verhältnis zum Alkohol problematisch ist, die aber nach außen die Lesung nur wegen des Fußballspielers besucht haben.

Wenn auch nur einige aus dieser Gruppe den Weg in das Hilfesystem findet, hat sich die Veranstaltung mehr als gelohnt.

 

Interessant war auch seine Schilderung der Erlebnisse in der stationären Therapie. Vieles davon haben wir in unseren Gruppen auch schon gehört, wie z. B., dass die wichtigsten Gespräche, die Gespräche unter den Patienten sind. Dann erzählen sich wildfremde Menschen mitten in der Nacht unter Tränen, was der Alkohol in ihrem Leben schon angerichtet hat.

Heute sagt Ulli Borowka: „Ich habe schon viele Titel gewonnen, aber jeder trockene Tag in meinem heutigen Leben ist ein größerer Gewinn.“